Barock ist frivol, witzig, frech einfach nur schööön..
  

Der Barock

Epoche zwischen 1600 und 1720, manche sagen zwischen 1600 und 1780, noch andere zwischen 1600 und 1803 (man denke hier nur an Oberschwaben), in der das Dynamische, Majestätische und Schwellende aus Frankreich in den Vordergrund stand. Der Ursprung dieses Begriffes soll noch im Dunkeln liegen. Im französischen gibt es "baroque", was vom lateinischen verruca (Warze oder kleine Fehler) stammen soll. Das französische "baroque" soll das unregelmäßige in der Form aussagen, ebenso, wie das portugiesische "barroco (unregelmäßige, schiefe Perle ). Kehren wir nach Frankreich zurück, wo das Wort "Barock" für die Architektur in der sich auflösenden Renaissance angewendet wurde und zwar im negativen Sinn. Diese neuen seltsamen, schiefen Formen entsprachen nicht dem klassizistischen Geschmack.

    

Die Räume wurden reizvoll unterteilt, durch Effekte belebt und phantasievoll ausgestaltet. Unendliches rückt näher und Figuren erscheinen pathetisch bewegt. In Oberschwaben begann der Siegeszug nach dem 30jährigen Krieg (1618-1648), denn es galt die verwüsteten Klöster, Kirchen, Kapellen, Bürgerhäuser und Schlösser wieder instand zu setzen und auszuschmücken: Mit Stuckaturen, Fresken, Gemälden, Statuen, Altären, Kanzeln, Beichtstühlen, Chorbänken, Orgeln, Reliquarien, Leuchtern, Möbeln und Öfen.

Hierzu kamen Baumeister aus dem Süden, Bildhauer und Maler aus Tirol und Bayern und nicht zu vergessen, die Stuckatoren aus Wessobrunn ( Feuchtmayers, Finsterwalder, Gigl, Rauch, Schmuzer, Zimmermann).

Aus dem Schwäbischen selbst, vom Lech bis zu den Vogesen und von der Alb bis in den Arlberg sind mit Meinrad von Au, Bagnato, Bergmüller, Brugger, Dirr, Esperlin, Forchner, Hegenauer, Kuen, Spiegler, Wegscheider, Gebrüder Zürn nur einige aufgezählt.

Barock ist auch der Stil der Gegenreformation, ist ihr Propagandamittel. Seit dem Konzil von Trient (1545) setzte die Katholische Kirche mit Hilfe der Jesuiten auf die Wiedergewinnung verlorener Glaubensgebiete. Nun wurden nicht nur Orchestermessen mit Pauken und Trompeten zelebriert, Theater in der Kirche gespielt ( daher die Passionsspiele in Schwaben und Bayern ), sondern auch der in Italien gerade entstandene Barockstil nach Deutschland "importiert" Der Stil sollte ein Schloss darstellen und auch eine ähnliche Aufgabe erfüllen: Die Gläubigen von der Größe der katholischen Kirche überzeugen. So entstanden Deckenmalereien, Marmorsäulen mit Engel- und Heiligenfiguren, die durch die neue Art der Fenstergestaltung in raffinierten Farb- und Lichteffekte erstrahlten.

Das "Aus" für den oberschwäbischen Barock kam von Napoleon, der in den Koalitionskriegen Süddeutschland um 1800 eroberte und zum Aufbruch aus der alten Zeit blies. Hatte man hier und dort schon klassizistisch zu bauen versucht (Bad Buchau, Bad Wurzach, Aulendorf ), findet man noch Ende des 18.Jh. stattliche Barockbauten ( Otterswang ). Doch das letzte Stündlein für die geistlichen Territorien und Investoren in Sachen Barock hat 1803 mit Beginn der Säkularisierung dann entgültig geschlagen.




1966 wurde mit der Oberschwäbischen Barockstrasse eine der ersten touristischen Straßen ins Leben gerufen.